Die Rechte in Europa Pt. 2


Unsere Veranstaltungsreihe zu aktuellen Entwicklungen in der Rechten Europas wird mit mehreren Veranstaltungen im Herbst forgesetzt:

„Europa von rechts“ – Ein Überblick
Vortrag mit Jörg Kronauer
Mittwoch 19. Oktober, 19 Uhr, Café KoZ (Campus Bockenheim)

Im Anschluss: Solibarabend im Keller des Studierendenhauses ab 21 Uhr
mit musikalischer Untermalung von derausmvierten + Kend Heuschrik
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Die Rechten in Frankreich
Vortrag mit Bernard Schmid
Montag 31. Oktober, 19 Uhr, Institut für vergleichende Irrelevanz (Kettenhofweg 130)
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Die spanische Rechte – Zwischen Neofranquismus und Neonazis
Vortrag
Dienstag, 8. November 2011, 20 Uhr, Café KoZ
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Vergangenheitspolitik in Spanien – ein Reisebericht
Vortrag
Dienstag, 29. November 2011, 20 Uhr, Café KoZ

Ankündigungen der Vorträge:

„Europa von rechts“ – Ein Überblick

Vortrag mit Jörg Kronauer

In mehreren europäischen Staaten sind extrem rechte Organisationen in den vergangenen Jahren rapide erstarkt. Sie erzielen inzwischen teilweise zweistellige Wahlergebnisse. Bedeutende Parteien der extremen Rechten in Europa stehen in der Tradition von NS-Kollaborateuren und unterhalten beste Kontakte nach Deutschland. Der Vortrag bietet einen exemplarischen Überblick über wichtige Kräfte der extremen Rechten in unterschiedlichen Regionen Europas (beispielsweise Dänemark, Polen, Spanien, Italien, Belgien oder Österreich), über ihre politischen Inhalte, ihre Strategien und darüber, wie sie sich Europa als Ganzes vorstellen.

Im Anschluss wird es einen Solibarabend im Keller des Studierendenhauses geben.

Mittwoch 19. Oktober, 19 Uhr, Café KoZ (Campus Bockenheim)

Die Rechten in Frankreich

Vortrag mit Bernard Schmid

´Unter den als rechtsextrem bzw. ,rechtspopulistisch‘ bezeichneten Parteien in Westeuropa war und ist der französische Front National (FN) eine der mit Abstand
erfolgreichsten. Ihren Durchbruch zur erfolgreichen Wahlpartei schaffte die lange Jahre von Jean-Marie Le Pen angeführte Formation in den Jahren 1983/84. Ihre
Erfolgskurve, sofern diese sich an Wahlprozenten ablesen lässt, war nur in den Jahren 2007 bis 2009 erkennbar durchbrochen – damals nahm Nicolas Sarkozy ihr
zeitweilig Millionen Wähler und Sympathisanten ab. Doch längst erfolgt seit nunmehr anderthalb Jahren wieder der Gegenschlag des Pendels, und die Partei der
extremen Rechten steht in 2011 stärker denn je da.

Die ideologischen Orientierungen, die der – in seinem Inneren eher ein Konglometar aus weltanschaulichen Unterströmungen mit eigenen Traditionen, denn einen monolithischen Block darstellende – FN im Laufe der Jahre und Jahrzehnte verfolgte, sind dabei unterschiedlich. In den 1990er Jahren suchte Jean-Marie Le Pen zeitweilig etwa, unter dem Einfluss von Thesen aus der ,Nouvelle Droite‘ oder intellektuellen ,Neuen Rechten‘ der Periode nach den (durch Frankreich verlorenen) Kolonialkriegen und vor allem ihrer Propagande vom ,Ethnopluralismus‘, den Kontakt zu ,identitätssuchenden‘ Bewegungen weltweit. Dazu zählten auch Berührungspunkte zum iranischen Regime oder dem türkischen Islamisten Necmettin Erbakan. Seine Tochter und Nachfolgerin Marine Le Pen dagegen sucht in der internationalen Politik eher die Annäherung an Teile der US-amerikanischen Rechten und macht sich eher die These vom ,Schock der Kulturen‘ sowie vom ,aktuellen Hauptfeind Islam‘ zu eigen. Antisemitismus nach aussen zu kehren, hält sie für strategisch kontraproduktiv.

Auch in innenpolitischer und sozialer Hinsicht erwies sich das Profil des FN als wandelbar. Mal eher als radikale Steuersenkungspartei, mal als Partei der ,Arbeitsplätze und Sozialleistungen für Franzosen zuerst!‘ auftretend, zog der Front National im Laufe seiner Geschichte unterschiedliche Wählerschichten an und stiess andere gleichzeitig wieder ab. Bislang sucht er noch nach dem Rezept, wie es ihm gelingen könnte, sowohl sein ,mittelständisches‘ als auch sein ,proletarisiertes‘ Publikum unter einen Hut zu bringen.

Montag 31. Oktober, 19 Uhr, Institut für vergleichende Irrelevanz (Kettenhofweg 130)

Die spanische Rechte – Zwischen Neofranquismus und Neonazis

Nicht allzu lange her sind die Zeiten, in denen tausende Rechte am Todestag von Francisco Franco zu seinem Grab pilgerten, um ihn und die Diktatur hochleben zu lassen. – Ein Bestseller in spanischen Buchläden heißt „Die Mythen des Spanischen Bürgerkriegs“ und wäscht die Verantwortlichen für die Diktatur von jeder Schuld rein. – Auf dem Weg zu einer Demonstration ermordet ein Neonazi im Herbst 2007 einen Antifaschisten in der U-Bahn. – Was treibt die spanische Rechte um? Warum stehen noch heute so viele Spanier_innen franquistischen Positionen nahe? Diese und andere Fragen sollen in der Veranstaltung erörtert werden.

Dienstag 8. November 2011, 20 Uhr, Café KoZ

Vergangenheitspolitik in Spanien – ein Reisebericht

Mitte November 2011 war eine Gruppe Studierender der Goethe Uni eine Woche lang in Madrid. Dort besuchte sie Stätten des Bürgerkriegs, setzte sich mit der Geschichte des Landes auseinander und traf sich mit Vertreter_innen von Initiativen, die zur Vergangenheitspolitik in Spanien arbeiten, die Massengräber exhumieren, die Ehrungen für die Internationalen Brigaden organisieren und die die Monarchie überwinden wollen. Nicht nur ein Reisebericht.

Dienstag 29. November 2011, 20 Uhr, Café KoZ