Ökonomiekritik in der Krise

Wir laden euch herzlich ein zu unserer Veranstaltungsreihe Ökonomiekritik in der Krise.

Ankündigung:
„In ökonomischen Krisensituationen macht sich unter Linken häufig die Hoffnung breit, dass sich die Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen verschärfen werde, da das, was bisher als Normalität und Selbstverständlichkeit galt, plötzlich in Frage gestellt wird. Auch Marx glaubte 1873, die damals sich anbahnende Krise werde „selbst den Glückspilzen des neuen heiligen, preußisch-deutschen Reichs Dialektik einpauken“. Wie damals schient auch heute diese Hoffnung überzogen, hat doch die Kritik, die angesichts der gegenwärtigen Krise formuliert wird, häufig herzlich wenig mit dialektischer Raffinesse und der Hinterfragung alter Selbstverständlichkeiten zu tun. Sie zeugt in der Regel vielmehr von oberflächlichen Ansichten über die Krisenursachen (Gier, verfehlte Wirtschaftspolitik etc.) und einer mangelnden Phantasie in Bezug auf etwaige Krisenlösungen (zurück zum Fordismus/Keynesianismus). In der Veranstaltungsreihe wollen wir uns dominierende Stränge der gegenwärtigen Ökonomiekritik kritisch anschauen und diskutieren, wie eine radikale Kritik in der Krise aussehen könnte.“

Veranstaltungen:

Staatsverschuldung und die Krise im Euroraum – Vortrag und Diskussion
mit Junge Linke gegen Kapital und Nation
23.10.12 //19 Uhr // Institut für vergleichende Irrelevanz, Frankfurt Westend

bereits gelaufene Veranstaltungen:

Das Geschlecht der Krise
(Ankündigungstext Das Geschlecht der Krise)
mit der Basisgruppe Antifaschismus Bremen
27.06.12 // 19:30 Uhr // Café KoZ

Kritik der Zinskritik
mit Nadja Rakowitz
04.07.12 // 19:30 Uhr // Café KoZ

Kritik des Linkskeynesianismus
mit Thomas Ebermann
11.09.12 // 20 Uhr // Café Exzess

Ankündigungstexte der VAs

Staatsverschuldung und die Krise im Euroraum – Vortrag und Diskussion mit Junge Linke gegen Kapital und Nation:

Immer mehr Länder im Euroraum bekommen Probleme, ihre Staatsverschuldung in gewohnter Weise abzuwickeln. Um Vertrauen bei den Finanzmärkten zu schaffen werden staatliche Verarmungsprogramme aufgelegt, die ihresgleichen suchen. Zugleich werden von den potenten Ländern noch mehr Schulden gemacht und die große Frage ist nun, wann sich das Misstrauen auch gegen diese Länder richtet. Politiker wie Bürger wünschen sich überwiegend nur eins: „Es“ soll wieder so funktionieren, wie vor der Krise. Damit das klappt, sorgen die Regierungen für Lohn-, Renten-, und Sozialstaatskürzungen auf breiter Front. Aber was ist dieses „Es“? Im ersten Teil des Vortrags soll dieser Frage nachgegangen werden, indem grundlegende Prinzipien der Staatsverschuldung erklärt werden, wie sie vor der Krise üblich waren. Woher kommt die immense Freiheit des Staates beim Schuldenmachen? Welche politische und ökonomische Logik folgt dann aus dem angesammelten Schuldenberg? Zeigt sich nicht bereits daran, die Feindlichkeit gegenüber der Bedürfnisbefriedigung? Das Thema Staatsverschuldung soll Schritt für Schritt erklärt werden, um überhaupt mal einen theoretischen Fuß in die Tür zu kriegen. Das Problem des Normalsterblichen ist ja, dass man sich mit der Sache erfahrungsgemäß kaum auskennt und einem bei haushaltspolitischen Grundsätzen wie „Schuldentilgung am Kreditmarkt durch Kredite vom Kreditmarkt” einfach schwindelig wird.

Im zweiten Teil soll dann der Krisenverlauf behandelt werden. Was ist los, wenn die Finanzmärkte das Vertrauen in einen Staat verlieren? Was hat das mit dem Euro zu tun? Wofür werden die Massen in Europa durch die Politik verarmt? Für Zwischenfragen und Diskussion wird es genügend Raum geben.

Literaturtipp:
http://junge-linke.org/staatsverschuldung-und-die-krise-im-euroraum-alle-teile

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Das Geschlecht der Krise.

Im Bezug auf die Krise wird wenig über die Auswirkungen auf kollektive Betroffenheitslagen von Frauen und Männern gesprochen. Denn gerade der Umbau des Sozialstaates hat unterschiedliche Auswirkungen und arrangiert die historisch durchgesetzte Doppelbelastung von Frauen durch eine neuen Form der Intensität. Gerade die Veränderung des Familienernährermodells mit einem Mann als „Familienoberhaupt“ gehört in den kapitalistischen Zentren weitgehend der Vergangenheit an. Die Krise kann aber auch nur dann in seinen Folgen verstanden werden, wenn über die Konfiguration des Geschlechterverhältnisses und der Organisation der gesellschaftlichen Reproduktion gesprochen wird. In der Veranstaltung wird es um diese beiden Schwerpunkte gehen um zu diskutieren ob sich in der Fokussierung linker politische Strategien nicht eine Schwerpunktverschiebung ergeben müsste.“