Archiv für Februar 2014

Grußwort des colletivo militant


Hier findet ihr das Grußwort, das die Genoss*innen des Colletivo Militant Roma anlässlich unserer Veranstaltung zur CasaPound mit Heiko Koch verfasst haben.

Antifaschismus und rechtsradikale Bewegungen in Italien

Wenn wir über aktuelle Erscheinungen des Faschismus reden, müssen wir zunächst die Wurzeln dieser rechtsradikalen Gruppierungen betrachten, um unsere damit verbundene antifaschistische Gegenstrategie weiter erläutern zu können.
Es ist uns wichtig hervorzuheben, dass es nach dem Fall des faschistischen Regimes in Italien 1945 und der Befreiung, die durch die Partisan*innen erkämpft wurde, dennoch keinen Bruch der politischen und oberen sozialen Klassen mit Mussoliniära gab. In den Folgejahren gelang es vielen der ehemals Mächtigen aus der Zeit des Faschismus ihre Macht zu erhalten und sie im postfaschistischen Staat zu konsolidieren, sich machtvolle Positionen in ihm zu sichern, ihre Vergangenheit zu verschleiern und ihre Duldung durch Institutionen, Polizeistaat und Bourgeoisie aufrecht zu erhalten. Diesen Prozess nennen wir die Kontinuität des Staates. Dessen Konsequenzen wurde zum ersten Mal in den 1970ern und 80ern direkt spürbar. In diesen Jahren wurde die „Strategie der Spannung“ vom Staat aus initiiert und von faschistischen Gruppierungen umgesetzt. Dies hatte viele Sprengstoffanschläge mit dem Ziel Angst vor dem Terror in der Bevölkerung zu sähen und die demokratischen Verhältnisse zu destabilisieren zur Folge, um extreme Maßnahmen des Staates zu rechtfertigen, wie die Etablierung einer Militärdiktatur. Heutzutage ist es eindeutig, dass diese Kontinuität des Staates noch immer herrscht. In den Reihen der rechten Politiker*innen, auch wenn diese in verschiedenen Gruppen oder Strömungen zersplittert sind, sehen wir das direkte Erbe des Faschismus.
Dazu kommt die Zunahme der systematischen Tendenz zum Geschichtsrevisionismus, der im Besonderen gegen die Partisan*innen und den italienischen Widerstand gerichtet ist und verstärkt versucht rechte und linke Ideologie gleichzusetzen. Diese Tendenz erfährt beständig Unterstützung in den Medien und dadurch wird eine stets größere Legitimität für faschistische Gruppen und deren Gesinnungsgenoss*innen auf der politischen Bühne zu existieren und zu handeln geschaffen. (mehr…)

Workshop-Tag zum 8. März und Bus zur Care Revolution-Aktionskonferenz nach Berlin

//Jetzt mit Flyer//
Gemeinsam mit dem AStA der Uni Frankfurt und der feministischen Philosoph_innengruppe organisieren wir einen Workshop-Tag zum 8. März und die Busreise zur Care-Revolution Konferenz vom 14.-16.03.14 nach Berlin

Workshop-Tag am 8. März um 12 Uhr in der Kriegkstraße 12- ab 11:00 Uhr Frühstück // Bus zum Care Revolution – Kongress nach Berlin // Anmeldung über femphil.ffm@googlemail.com // Die Tickets zur Fahrt zur Konferenz gibt es ab sofort für 15€ in der Karl Marx Buchhandlung

„Lasst doch alles die Roboter machen…“ – Feministische Beiträge zur Kritik der vergeschlechtlichten Arbeitsteilung: Lesekreis zum Frauenkampftag am 8. März und in Vorbereitung auf die Care-Revolution-Konferenz vom 14. -16. März in Berlin

Das Verhältnis von Kapitalismus und Patriarchat ist ein Problem, das auf vielfältige Weisen behandelt wurde – in Form der leidigen Haupt- und Nebenwiderspruchsdiskussion oder als gleichwertige, wechselseitig in Beziehung stehende Herrschaftsformen. Ein Ergebnis der theoretischen Auseinandersetzung in den 1970er und 1980er Jahren war die Formulierung des Konzepts der „Reprodutkionsarbeit“. Es sollte den Zusammenhang von fast ausschließlich von Frauen durchgeführten unbezahlten Tätigkeiten im Haushalt, aber auch Sorgetätigkeiten außerhalb des Familienkreises, mit der kapitalistischen Mehrwertproduktion verdeutlichen – Arbeit, die auch heute noch häufig quasi unsichtbar und fast immer prekär abläuft. Damit war ein neues politisches Kampffeld eröffnet.

Mit der seit Jahren andauernden Krise des Kapitals spitzen sich die Bedingungen im Reproduktionssektor weiter zu: Zum einen wird versucht, die Kosten der Reproduktion vom Staat auf die Individuen zu verlagern, zum anderen werden kommodifizierten Formen immer weiter zweckrationalisiert, was bei diesen Arbeiten aber schnell an seine Grenzen stößt: sie lassen sich nämlich nur sehr schwer von Maschinen übernehmen, da sie auch immer eines Anteils menschlicher Sorge bedürfen. CARE-O-Bot, ein in der Altenpflege eingesetzter Roboter, ist ein Versuch den Menschen auch in diesem Bereich zu ersetzen und könnte einen Hinweis darauf geben, wie Reprodutkionsarbeiten unter kapitalistischen Bedingungen in der Zukunft aussehen könnten…

Wie und mit wem wollen wir wohnen? Wie sorgen wir für uns und andere? Wie wollen wir gepflegt werden und wie kann gute Gesundheitsversorgung aussehen? Das sind wichtige Fragen, jedes sozialen Kampfes. Sie sollen auch bei der eine Woche später stattfindenden Care-Revolution-Konferenz in Berlin verhandelt und daraus politische Strategien entwickelt werden. Wir wollen uns mit diesem Lesekreis mit Texten aus dieser feministischen Theorietradition auf die Konferenz vorbereiten und dabei das Konzept der Care-Revolution auch kritisch etwa auf seine linkskeynesianischen Implikationen oder seinen verengten Feminismusbegriff prüfen.

Wir wollen an diesem Tag folgende Texte diskutieren und lesen:

Grundlage zur Reproduktionsarbeit:
Mariarosa Dalla Costa (1972), Die Frauen und der Umsturz der Gesellschaf, online unter: http://www.klassenlos.tk/data/pdf/dalla_costa.pdf

Zur Diskussion über die Care-Revolution:
Gabriele Winker (2011), Soziale Reproduktion in der Krise – Care-Revolution als Perspektive, online unter: http://www.tuhh.de/agentec/winker/pdf/DA292_winker.pdf