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Die campusantifa ist Geschichte…

Wie wir in unserem Beitrag davor dargelegt haben, haben wir uns in Antifa Kritik & Klassenkampf umbenannt. Aus diesem Grund werden wir diesen Blog nicht weiter betreuen.
Weiter geht es unter akkffm.blogsport.de und per Email erreichbar sind wir unter akk[punkt]ffm[at]free.de. Ein PGP-Key folgt.

Bis dahin,

eure Antifa Kritik & Klassenkampf

Die campusantifa ist Geschichte…

Hier kommt die Antifa Kritik & Klassenkampf!
Hiermit machen wir unsere Umbenennung öffentlich. Sie ist das Ergebnis eines längeren Diskussionsprozesses um die politische und strategische Ausrichtung unserer Gruppe. Mit dieser kurzen Erklärung wollen wir bereits einige Aspekte dieser Diskussion (notwendigerweise stark verkürzt) umreißen. Ein umfangreicheres Strategiepapier, in dem unsere Position begründet wird, folgt in den nächsten Wochen.

„Der Staat zittert! – Die Reaktion wankt! – Student_in heraus zum 12. April!“; so lautete einer der ersten Aufrufe unserer Gruppe. Mobilisiert werden sollte mit ihm ein studentisches Publikum zu der Antirepressionsdemonstration „Keine Freunde! Keine Helfer!“ der Jugendantifa Frankfurt am 12.04.2008. Dieser Aufruf illustriert ganz gut unsere damalige politische Praxis: Es ging um das Hineintragen der Inhalte der Antifabewegung in die Hochschule. Doch schon bald schien uns die Konzentration auf dieses Politikfeld zu eng und eingeschränkt; unser Name spiegelt seit längerem nicht mehr unsere politische Theorie und Praxis wider und auch die soziale Zusammensetzung unserer Gruppe hat sich in den letzten Jahren heterogenisiert. Mit der Umbenennung tragen wir dieser Entwicklung Rechnung.

Vor allem unsere langjährige Arbeit im sozialrevolutionären Krisenbündnis Frankfurt, mit dem wir eine sozialrevolutionäre, antiautoritäre und transnationale Perspektive auf bestehende soziale Kämpfe in der Krise entwickelten, bereicherte unsere Arbeit. Besonders die Zusammenarbeit mit der klassenkämpferischen Basisgewerkschaft FAU erweiterte unsere theoretische und praktische Ausrichtung. Es ging von nun an also nicht mehr um die Präsenz eines Segments linksradikaler Politik (Antifa) in einem vereinzelten Bereich der Gesellschaft (Hochschule). Die von uns mitgestalteten Kämpfe im Bildungsbereich Ende 2009/Anfang 2010 wurden u.a. durch unsere Bündnisarbeit gerade in den größeren gesellschaftlichen Kontext von antikapitalistischen Krisenprotesten eingebracht. In diesem konkreten Fall in die damalige Kampagne „3,2,1…uns. Kapitalismus abschaffen!“, in deren Kontext es u.a. um Leiharbeit oder zu teuren Nahverkehr ging und mit der wir zu der Demo „Die Uni gehört allen!“ am 30.01.2010 mobilisierten.
Doch auch die Nachbereitungen der größeren Aktionen und Mobilisierungen (Abschlussdemo der 3,2,1-Kampagne am 30.04.10, IMK-Demo 2011, M31-Demo 2012), die wir zusammen mit dem Krisenbündnis durchführten, hinterließen bei uns das Gefühl, dass diese Form der Eventpolitik und eine rein abstrakte Mobilisierung gegen den Kapitalismus, die Troika und für den Kommunismus zu begrenzt waren. Wir und andere mobilisierende Gruppen powerten uns monatelang mit der Mobilisierung aus, führten Mobiveranstaltungen durch, schrieben Aufrufe und Mobizeitungen und ließen massenhaft Plakate drucken. Wir erzielten dabei durchaus Erfolge, was sich etwa an den stets größeren Teilnehmer_innenzahlen ablesen ließ. Dennoch hinterließen die Auswertungen bei uns das Gefühl, dass diese „Events“ letztendlich gesellschaftlich nicht besonders viel ausrichten und keineswegs in gesellschaftliche oder ökonomische Prozesse eingreifen können.

Klar ist für uns daher: Die historisch spezifische Situation schafft veränderte Bedingungen der politischen Praxis. Die sich gerade auf europäischer Ebene manifestierende Weltwirtschaftskrise und die verschärften Angriffe des Kapitals auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Lohnabhängigen, die diese mit sich bringt, löste bei uns einen langen Diskussionsprozess über die strategische Ausrichtung linksradikaler Politik und vor allem eine Hinterfragung eigener Positionen aus. Ein erstes Ergebnis dieser Auseinandersetzung im Bündnis war das Diskussionspapier „Europäische Generalstreiks sind auch unsere Sache!“. Wir schlugen dort vor, Verbindungen mit kämpferischen Kolleg_innen in den Betrieben und Gewerkschaften, solidarischen Schüler_innen, Studierenden und Erwerbslosen, politischen Aktivist_innen, etc., aufzubauen und sich mit diesen zu verständigen, wie bei einem erneuten europäischen Generalstreik der kapitalistische Alltagsbetrieb auch hier effektiver lahm gelegt werden könnte, als durch eine weitere Demo.
Zentrale Fragen unserer Diskussion waren dabei:
Wie lässt sich eine handlungsfähige sozialrevolutionäre Bewegung aufbauen?
Welches sind die zentralen sozialen Triebkräfte, die sowohl das radikale Bedürfnis und Interesse an einer Überwindung dieser Gesellschaftsordnung haben (könnten) und auch spürbar in den reibungslosen Ablauf dieser Gesellschaft eingreifen können?

Die Antwort war – auch wenn viele Linke in den letzten Jahrzehnten nichts davon wissen wollten – relativ naheliegend: Es ist die Klasse der Lohnabhängigen. Ihr Mittel, um ihre Interessen und Bedürfnisse gegenüber dem Kapital durchzusetzen, ist der Klassenkampf. Die Verortung und Verankerung der radikalen Linken in den alltäglichen Kämpfen dieser Klasse, die ja leider nicht von selbst revolutionär sind, und Unterstützung von revolutionärer Basisorganisierung sehen wir als eine dringend anstehende Aufgabe.
Die lohnabhängige Klasse begreifen wir dabei umfassender als dies früher von der Linken getan wurde. Dieser Klasse anzugehören, bedeutet vor allem dazu gezwungen sein, seine Arbeitskraft zu verkaufen oder vom Lohn anderer beziehungsweise staatlichen Transfers abhängig zu sein, d.h. frei zu sein von Mitteln zur Reproduktion des eigenen Lebens. In dieser Klasse wirken zudem weitere Spaltungen. Rassistische und patriarchale Herrschaft begreifen wir als einen Teil der Totalität kapitalistischer Vergesellschaftung. Kämpfe in diesen Bereichen haben eine andere Logik als beispielsweise klassische Arbeitskämpfe, müssen sich aber, um erfolgreich zu sein, auf die gesellschaftliche Totalität beziehen, was über die gemeinsame Klammer des Klassenkampfs geschehen kann.
Für die Antifa Kritik und Klassenkampf bedeutet dies: den Fokus auf einen universitären oder Szenekontext hinter sich zu lassen und sich den alltäglichen Kämpfen zuzuwenden. Aus unseren Diskussionen bildeten sich in den letzten Monaten vor allem drei Bereiche heraus, in denen wir vorrangig aktiv sein beziehungsweise uns vernetzen wollen, als Basis für die Entstehung revolutionärer Praxis und Klassenbewusstsein:

A) Arbeitskämpfe
Politisches Denken und Handeln, dem es um die Errichtung einer an den Bedürfnissen der Menschen orientierten Gesellschaft geht, kommt nicht darum herum, die bestehenden Kämpfe praktisch einzubeziehen und zuzuspitzen. Ansonsten bleibt es ideeller Natur.
Die im Rahmen des M31- Generalstreikprojektes geknüpften Kontakte (etwa zu kämpferischen Kolleg_innen des Einzelhandels) stimmen hoffnungsvoll für die Zukunft. Gleichzeitig eröffnen sie aber auch einen Ausblick darauf, wie arbeitsintensiv und „unspektakulär“ im Vergleich zur üblichen linksradikalen Praxis der Organisation von Großevents oder politischen Raves diese Vernetzungsarbeit ist. Hier steht eine langfristige Kleinarbeit an, die keine Schlagzeilen macht.

B) feministische Kämpfe in der entlohnten und unentlohnten Reproduktionssphäre
Diese sind momentan von besonderer Bedeutung angesichts der sich zuspitzenden Krise sozialer Reproduktion. Hier findet sich einer der angreifbarsten Punkte des gesellschaftlichen Akkumulations- und Reproduktionszyklus, gleichzeitig werden in dieser Sphäre grundlegende menschliche Bedürfnisse am tiefgreifendsten beeinträchtigt. Kämpfe in diesem Sektor erlauben den Perspektivwechsel von einem lohnarbeitsfixierten Klassenkampfbegriff hin zu einem, der sich an radikalen Bedürfnissen orientiert.
Erste Schritte in diesem Bereich sind wir durch die Vernetzung mit der sich herausbildenden Carebewegung gegangen und haben in Frankfurt einen AK Care1 mitinitiiert.

C) Kämpfe an der Hochschule
Wenn die Kritik an den bestehenden Verhältnissen über den rein ideellen Protest hinaus zu wirklichem Widerstand werden soll, muss er orientiert sein an der eigenen Position innerhalb des Prozesses gesellschaftlicher Akkumulation und Reproduktion. Da ein nicht unerheblicher Teil unserer Gruppe studiert oder auf andere Weise mit der Hochschule verbunden ist, sehen wir in den Kämpfen gegen die Anpassung der Hochschulen an die veränderten Akkumulationsbedingungen und Bedürfnisse des Kapitals einen wichtigen Ansatzpunkt, um ausgehend von unserem eigenen alltäglichen Lebensumfeld für unsere Interessen und damit als integraler Teil der lohnabhängigen Klasse zu kämpfen. Denn zumindest in den Metropolen bedarf die kapitalistische Mehrwertproduktion eines hohen Anteils an geistiger Arbeit. Das Studium ist somit ein Teil der Formung unserer Arbeitskraft im Interesse des Kapitals und eine Vorbereitung auf das spätere Schicksal als Lohnabhängige: „Le devenir de l‘étudiant est la vérité de son être.“2 (SI).

Darüber hinaus begreifen wir Antifaschismus als ein integrales Kampffeld unserer Gruppe. Nach Auschwitz muss die Linke – ganz besonders in der BRD – immer auch eine antifaschistisch Aktive sein. Sie muss ein Umschlagen der bürgerlich zumindest formell demokratischen Gesellschaft in den Faschismus auf einer möglichst breiten Grundlage mit allen Mitteln bekämpfen. Das Erstarken rechter bis faschistischer Kräfte in vielen europäischen Ländern verdeutlicht erneut diese Notwendigkeit. Der Antifaschismus ist dabei niemals unmittelbar revolutionär. Da aber der Faschismus eine bestimmte, zwar nicht zweckintentionale sondern mit einer Eigenlogik ausgestattete, Antwort auf bestimmte Krisendynamiken der bürgerlichen Gesellschaft darstellt und so zu einer Rettung der Grundprinzipien kapitalistischer Vergesellschaftung beiträgt, kann eine Linke nicht nur antifaschistisch sein, sondern muss gleichzeitig an der emanzipatorischen Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft arbeiten. D. h. sie kritisiert an der bürgerlichen Gesellschaft also weitaus mehr als, dass in ihr die Gefahr angelegt ist, in den Faschismus umzuschlagen. Demnach verstehen wir Antifaschismus vor allem als einen umfassenden gesellschaftlichen Kampf.

Auch wenn viele andere emanzipatorischer Kämpfe hier keine Erwähnung gefunden haben, heißt das nicht, dass wir diese für weniger wichtig erachten. Politische Arbeit bedeutet immer auch eine Fokussierung auf bestimmte Felder, um dem jeweiligen Gebiet ansatzweise gerecht werden zu können. Um diese organisatorische Notwendigkeit nicht zur Isolation werden zu lassen, müssen wir unsere Kämpfe vernetzen. Gemeinsam schreiten wir voran!

Für die soziale Revolution!

Antifa Kritik und Klassenkampf, Frankfurt im Juni 2014

  1. Zentrale strategische Überlegungen für diesen Bereich finden sich in dem Text „Frankfurter Positionen zur Care-Revolution“ des AK Care. [zurück]
  2. Dt: „Das Werden der Studierenden ist die Wahrheit ihres Seins.“ [zurück]